Was ist eigentlich schöner? Die Anlage selbst? Der Zugbetrieb an sich? Was ist wichtiger? Fahrende Züge? Eine realistisch ausgestaltete Landschaft? Was sollte zuerst angeschafft werden? Gleise und Loks mit Wagen? Der Rahmen mit dem Unterbau? Die elektrische Versorgung, also Trafos, Booster, Steuerungsgerät und evtl. PC vielleicht? Auf solche oder ähnliche Fragen gibt es - je nach Typ - unterschiedliche Antworten. Ich finde, man sollte, bevor man mit dem Bau einer schönen Anlage (ganz gleich, ob eher klein, mittelgroß oder auch ziemlich groß) beginnt, ein paar Gleise mit Trafo und diverse Züge und Wagen anschaffen. So kann man in der Zeit der konkreten Planung immer ‘mal wieder eine Runde drehen, um die Funktionen von neuen oder bereits im Besitz befindlichen Modellen zu testen. Und man merkt bei sich selbst schnell, ob es sich um eine emotionale Entgleisung oder vielleicht doch um ernstes Interesse handelt. Denn letzteres sollte unbedingt vorhanden sein, um die Standfestigkeit über viele Jahre mitzubringen, die Anlage zu bauen und weiter zu entwickeln. Schon manch einer hatte Vitrinen voll Rollmaterial, aber zum Bau und Fahren auf der eigenen Anlage ist es nie gekommen, obwohl genau dieses der Grund für den Erwerb der Modelle war.
Ich werde in diesem Bereich Rollendes Material meiner Website versuchen, einen kleinen Überblick über schöne Modelle (in Form von Fotos und Erfahrungswerten) zu geben. Dazu möchte ich Tipps zu dem einen oder anderen Modell geben und auch Fakten aufzeigen, wo - meiner subjektiven Meinung nach - Vorteile und Nachteile einzelner Modelle liegen. Zunächst werden ausschließlich Lokomotiven und Triebzüge vorgestellt. Da es sich um eine Wechselstromanlage handelt, tauchen sachbedingt nur Dreileiter-Modelle auf. Bisher verfüge ich über Erfahrungen und Vergleichsdaten bei Modellen der Firmen Brawa, Fleischmann, Gützold, Lima, Märklin und Roco.

BR 18.6 - ein Star jeder Modellbahnanlage

Das Fleischmann-Modell 71118 der BR 18.6 für Mittelleiter-Wechselstrombetrieb

 

Im Jahre 2006 brachte die alte Nürnberger Modelleisenbahnfirma Fleischmann die BR 18.6 mit dem 2’2’T27,4 gekuppelten Tender heraus. Die von der DB rekonstruierte Lok gehörte zu den wirtschaftlichsten Dampfloks überhaupt und brachte erstaunliche Leistungen hervor: 372 km Langlauf, 150 km/h Höchstgeschwindigkeit und ein stattliches, schönes Erscheinungsbild. Das Vierzylinder-Verbundtriebwerk leistete 1950PSi und die Lok besaß 1870 mm hohe Treibräder. Diese 2’C1’h4v-Maschine gehört in meinen Augen zu den schönsten Dampfloks überhaupt und ist dazu noch sehr leistungsfähig, nachdem die DB Kessel, Führerhaus und Einrichtungen neu gestaltet hatte. Neben dem o. g. Tender wurde sie auch mit einem 2’2’T31,7 gekuppelt und besaß eine noch größere Reichweite 9 t statt 8,5 t Kohle). Leider war diesen 1953 bis 1956 rekonstruierten Maschinen kein langes Leben mehr beschieden. Sie kamen auf ca. 1 Million Laufkilometer, bevor sie aus dem Dienst ausscheiden mussten. 01er, Diesel- und Elloks hatten ihr den Rang abgelaufen. Ein Exemplar der 18.6, die 18 612, steht heute im DDM in Neuenmarkt-Wirsberg (Franken).

 

BR18.6 links F71118_790
Die Seitenanschicht des wunderschönen Wechselstrommodells: die 18.6 von Fleischmann ist der heimliche Star meiner Anlage. Ihre Detaillierung übertrifft diejenige von Märklin noch immer. Finish und Farbabstimmung sind sehr gut gelungen. Die Spurkränze sind geringer als die eines aktuellen Märklin-Modells. Dennoch sind die Laufeigenschaften tadellos auf dem C-Gleis-System. Eingesetzte Puffer hat Märklin inzwischen auch, aber die Fleischmannlok hat das gewisse Etwas: der rechte Pufferteller ist eben nicht flach, sondern gewölbt wie beim Original. LED-Beleuchtung, frei stehende Griffstangen und Rohre sowie die saubere, klare Beschriftung auch unter Vergrößerung betrachtet, dazu ein seidenweicher und leiser Motorlauf machen dieses Modell besonders stimmig und zum Highlight einer Anlage. Ein besonderer Genuss ist das Soundmodul von ESU: Regler auf, es zischt, ein Abfahrpfiff ertönt, Bremsen lösen, ein kräftiger Auspuffschlag und die Maschine setzt sich unter radsynkronem Dampflokfahrgeräuschen (Auspuffschlag und unterschiedliche weitere Geräusche durch Zufallsgenerator gesteuert) in Bewegung und beschleunigt danach zügig bis zur Höchstgeschwindigkeit durch (die wie bei fast jedem Modell jedes Herstellers zu hoch eingestellt ist und heruntergeregelt werden sollte). Lokpfeife betätigen? Ja, bitte! Oh, wie schön. Kein Dröhnen und scheppern - so soll es sein. Regler wieder zu und anhalten. Die Lok wird leiser und schließlich ertönt das allbekannte Quietschen der Bremsen. Die Lom steht. Es zischt noch, der Kessel rauscht, Kohle muss auch mal nachgeschaufelt werden. Mit entsprechendem Digitalsteuergerät kann man den Injektor, das Kohleschaufeln, das Abfahrtssignal, die Wasserpumpe und eine Bahnhofsdurchsage getrennt auslösen. Im Stand werden all diese Geräusche per Zufall immer mal wieder ausgelöst. Die Lautstärke von all dem ist passend gewählt. Ach ja, natürlich werden auch Fleischmann-Loks mittels Tender (wie etwa Roco) angetrieben. Die Laufräder laufen also einfach mit. Der Tender besitzt zwei Haftreifen und verschafft der Lok genügend Zugkraft. Einziger Schwachpunkt ist vielleicht die fehlende Einrichtung im Führerstand. Seit Märklin den C-Sinus-Motor in Kompaktbauweise einsetzt, hat man hier bessere Möglichkeiten der Führerhausgestaltung. Die 448g schwere Maschine schafft es, mit einer vmin von 0,63 cm/s oder umgerechnet 1,97 km/h zu fahren. Ein sehr guter Wert.

BR18.6 vorn links F71118_390
Typisch BR 18: Rauchkammertür, Windleitbleche und 4-Zylinder-Triebwerk bei der 18 620.

BR18.6 hinten rechts F71118_390
Neben diesem 2’2’T27,4 (8,5 t) wurde auch ein 2’2’T31,7 (9 t) eingesetzt; das Dreilicht-Spitzensignal wechselt mit der Fahrtrichtung und ist ein-/ausschaltbar.

BR18.6 links nah F71118_790
Kleine Schwäche: im Führerhaus ist aus technischen Gründen kein Platz für eine Einrichtung. Toll: die mittlere Treibachse hat den Antrieb durch die beiden inneren Triebwerke eingebaut (nur von unten erkennbar). Perfekt: die Spurkränze sind niedrig, aber noch laufsicher auf dem C-Gleis.

BR18.6 vorn F71118_390
Frontansicht mit Blick auf die unterschiedlichen Puffer.

BR18.6 hinten F71118_390
Auch in der Heckansicht überzeugt die Fleischmann-Lok.

BR18.6 links Front F71118_390

BR18.6 rechts schräg F71118_390

BR18.6 rechts mitte F71118_390

BR18.6 unten F71118_390
Erkennbar: Antrieb der Innenzylinder auf die gekröpfte, mittlere Kuppelachse (nur Schein, da die Lok über den Tender angetrieben wird). Gut auch: kurzer Tenderabstand zur Lok.

Das Vorbild BR 18.6 der DB

  • Schnellzuglokomotive der DB
  • rekonstruiert 1953-56
  • Anzahl: 30 Stck. (18 601 - 630)
  • S 36.18
  • 2’C1’h4v
  • 2 x 440/650 mm
  • 120 km/h (mit 515 t-Zug)
  • 1950 PSi
  • Treibräder 1870 mm
  • Laufräder v/h: 950 mm/1206 mm
  • Dienstmasse (o. T.): 100,2 t
  • Reibungslast: 56,6 t
  • Mittlere Kuppelachslast: 18,9 t
  • Länge: 22862 mm
  • Tender: 2’2’T31,7 mit 31,7m³ Wasser
    und 9 t Kohle
  • oder: 2’2’T27,4 (27,4 m³ Wasser, 8,5 t Kohle
  • Hersteller: Krauß-Maffei

 

 

 

BR 10 - der Dampflokstar der deutschen Bundesbahn

Das Märklin-Modell 37083 der BR 10 für Mittelleiter-Wechselstrombetrieb

 

Das Märklin-Modell der Dreitylinder Pazifik-Schnellzuglok BR 10 002 mit Ölhauptfeuerung besitzt eine überwiegende Metallausführung. Es hat einen mfx-Decoder mit geregeltem Hochleistungsantrieb. 3 Achsen sind angetrieben, davon 2 Räder mit Haftreifen versehen. Wie alle Märklin-Loks, ist auch diese für den Einsatz eines Rauchsatzes eingerichtet. Dieser ist schaltbar, ebenso wie das Dreilichtspitzensignal. Desweiteren ist eine Fahrwerksbeleuchtung und ein Geräuschmodul eingebaut, das treibradsynchrones Dampflokgeräusch sowie viele weitere Geräusche darstellen kann: Lokpfiff, Luftpumpe/Kompressor, Rangierpfiff, Dampf/Druckluftablassen, Kohle schaufeln und Schüttelrost. Die Lokomotive fährt weich an und beschleunigt kräftig bis zur Höchstgeschwindigkeit, die vorbildgerecht heruntergeregelt werden müsste. Beim Anhalten ertönt ein realistisches Bremsenquietschen, bis die Maschine steht. Das Quietschen kann auch einzeln abgeschaltet werden. Die imposante Erscheinung des Vorbildes übeträgt sich auch auf das Modell: mit 30,5 cm Länge und 730g Masse gehört es zu den schwersten und längsten Modellen überhaupt; es übertrifft die BR 45 gar um 46g. Die minimale Geschwindigkeit beträgt 0,83 cm/s, das entspricht 2,61 km/h real. Ein recht guter Wert. Die Optik besticht durch glatte Flächen - wie beim Original - und manche angesetzte Details. Die eingesetzten Puffer sind beide flach. Der Abstand Lok-Tender sollte etwas kürzer sein. Wie wäre es mit einer verstellbaren Kupplung mit Rändelmutter, die auf die Kurvenradien der eigenen Anlage optimal einzustellen wäre. Diese Märklin-Schnellzuglok macht einen recht guten Dreizylindersound und besitzt schöne LED-Leuchtdioden. Kombiniert mit einem langen, schweren Schnellzug aus der Zeit der 50er/60er Jahre ist ein mit 10 002-bespannter Zug für mich ein Highlight einer Modellbahnanlage. Für Sammler, die die Lok nur in der Vitrine aufbewahren, hat Märklin die Frontverkleidungen ohne Ausschnitte für die Laufachsen beigelgt.

BR10 002 Öl links M37083_790
Die langgestreckte Erscheinung des “Öl-Dampfers” ist gut erkennbar. Der Tender aus Metall enthält die Stromaufnahme und die Geräuschelektronik incl. Lautsprecher. Der Tenderabstand sollte geringer ausfallen.

BR10 002 Öl vorn M37083_390
Wuchtige Erscheinung mit LED-Licht.

BR10 002 Öl hinten M37083_390
Glatte Linien stehen für gute Aerodynamik; der Tender fasst 40 m³ Wasser und 12,5 m³ Öl.

BR10 002 Öl vorn schräg nah M37083_390
Kleine Ausschnitte in der Verkleidung sorgen für die nötige Kurvengängigkeit; Kupplung und Bremsschläuche sind ordentlich nachgebildet.

BR10 002 Öl hinten schräg nah M37083_390
Der Tender besticht mit feinen Details und besitzt die Märklin-typische Kupplung. Hier wäre ein Ansatz zur Verbesserung gegeben. Filigraner, realistischer und dennoch funktionssicher - das sollte doch machbar sein!

BR10 002 Öl vorn links nah M37083_390
Das Gestänge mit der Steuerung ist schön ausgebildet und funktioniert einwandfrei. Die Nachbildungen von Aufhängung, Bremsen, Sandstrahlern etc. sind gelungen.

BR10 002 Öl links Mitte nah M37083_390

BR10 002 Öl links Mitte Räder Kessel M37083_790
Frei verlaufende Rohre und angesetzte Details sind mittlerweile auch bei den hochwertigen Märklin-Loks kein Anlass der Kritik mehr. Gut erkennbar: die aerodynamische Umlaufschürze, die dennoch Wartungsarbeiten zuläßt. Auch die Steuerung ist fein nachgebildet und durch die Brünierung “ölig” aussehend. Ein schönes Stück moderner Modellbaukunst mit zuverlässiger, leistungsstarker Technik. Die Radreifen sind erst bei einigen Modellen ab 2008 bei Märklin rot lackiert.

BR10 002 Öl rechts Führerhaus M37083_390
Das geschlossene Führerhaus vereinfacht das Leben für das Personal, gerade bei winterlichen Temperaturen, erheblich. Eine rollengelagerte 10er konnte beinahe mit Leichtigkeit auf dem Schienenstrang hin- und hergerollt werden. Das Modell vereinigt hohe Masse mit hoher Zugkraft, die auch für 10 oder mehr Schnellzugwagen ausreicht. Der Abstand Lok-Tender ist bei anderen Herstellern besser konstruiert, nämlich kürzer.

BR10 002 Öl unten nah M37083_390
Die relativ hohen Spurkränze sind nicht so schön, dafür aber auf unterschiedlichen Gleissystemen zuverlässig und entgleisungssicher. Ein Zahnrad des Getriebes ist an der hinteren Treibachse noch leicht erkennbar. Die beiden Haftreifen sitzen auf dieser Treibachse.

Ausführliche Informationen zum Vorbild finden sich hier:

http://www.eisenbahnbueren.de/html/br10.html

 

 

Demnächst hier: BR 44 in unterschiedlichen Varianten

  • BR 44 Kohle mit Wagner Windleitblechen (Märklin 37889 mit Sound)
  • BR 44 Öl (BR 43) mit Witte Windleitblechen (Märklin 37885 MHI ohne Sound))
  • BR 44 Kohle mit Witte Windleitblechen (Roco 69243 ohne Sound)
  • BR 44 Kohle mit Witte Windleitblechen (Märklin 26536 mit Sound/”Langer Heinrich”)
  • BR 44 Öl (BR 43) mit Witte Windleitblechen (Märklin 37883 mit Sound)

 

 

[Startseite] [Anfänge] [Entwicklung] [Gleispläne] [Technik] [Anlagenbilder] [Rollmaterial] [Schauanlagen] [Hersteller] [Impressum]